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Um es gleich vorweg zu nehmen: Geduld ist nicht meine Stärke. Das wurde mir auch wieder einmal bewusst, als ich diese Webseite ins Leben gerufen habe. Ich hatte die Idee und am liebsten wäre ich am folgenden Tag schon online gegangen. Mir geht es meistens nicht schnell genug. Sobald mir etwas klar wird, eine Idee da ist oder ich schlicht etwas umsetzen will, möchte ich es am liebsten direkt tun. Manchmal spüre ich auch, wie es mich, und wie ich dann im Umkehrschluss auch andere, unter Druck setze. Weil ich eben so ungeduldig bin. Doch ich möchte auch nicht ausschließlich sagen, dass dies negativ behaftet ist. Ich habe dadurch auch schon viel erreicht. Im meinem beruflichen Umfeld war dies oft hilfreich. Oder auch hier – ich glaube, sonst wäre die Seite immer noch offline.

Doch ich muss auch zugeben, die aktuelle Situation hat mich auch einmal innehalten lassen. Es ist einfach mehr Zeit zum Nachdenken da – weil es eben im Moment weniger Möglichkeiten gibt, sich zu treffen, auszugehen oder zu reisen. Und trotzdem vergeht die Zeit für mich wie im Flug. Meine Oma hat immer gesagt: wenn man älter wird, vergeht die Zeit schneller. Hm, ich bin jetzt im „mittleren“ Alter und kann dem bereits vorbehaltslos nur zustimmen. Und dass, obwohl ich nun seit Monaten viel weniger unterwegs bin. Da müsste doch eigentlich gefühlt mehr Zeit da sein, oder? Das ist mir irgendwie immer noch ein Rätsel. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich gut beschäftigen kann. Das ständig irgendetwas anliegt, ich etwas umsetze oder ich die verbleibende Zeit für mich zum Ausruhen nutze. Und so vergehen die Tage und schon ist wieder ein Jahr vorbei. Und nun frage ich mich: ist es wirklich nötig, dass ich mir immer so ein Stress und Druck mache, um die Dinge sofort anzugehen? Kann ich mir nicht auch einfach mal Zeit nehmen. Es ruhig und bewusst angehen, ohne mich überzustrapazieren, nur aus dem inneren Antrieb heraus, es schnellstmöglich erledigt zu haben? Warum tu ich das eigentlich? Denn danach finde ich immer wieder ein neues Ziel oder Projekt. Und es geht wieder von vorn los.

Es ist natürlich nicht leicht, gegen das Naturell „anzukämpfen“. Und doch spüre ich oft, dass es einfach nicht diesen Druck, diese Ungeduld und Schnelligkeit braucht, die ich an den Tag lege. Das ich nicht alles so vollpacken muss, sondern es einfach entspannter angehe. Die Drachen – ja, ihre Stärke ist auch nicht unbedingt die Geduld, das habe ich festgestellt. Ihnen geht es auch meist nie schnell genug – doch es ist immer zu unserem Wohl. Sie würden uns niemals überfordern oder überlasten. Jedoch können sie schon sehr kraftvoll und energisch sein, wenn es wirklich Zeit ist, etwas zu ändern. Doch auch nur dann, wenn du bereit dafür bist und nur noch den sogenannten Schups brauchst. Es kann eine sehr feurige Energie sein. Sie gibt einem manchmal einfach noch den nötigen Antrieb. Doch generell haben sie Zeit. So wie alle Lichtwesen. Sie verstehen nicht, warum wir uns selbst oft so abhetzen. Und deshalb habe ich mir vorgenommen: wenn ich wieder einmal diese Ungeduld, den Druck spüre, dann gehe ich aus der Situation heraus und nehme die Drachenperspektive ein – ich fliege über mir. Und schau mich selbst und meine Situation von oben an. Aus einem anderen Blickwinkel. Vielleicht sehe ich das Ganze dann völlig tiefentspannt und gelassener. Vielleicht bekomm ich auch noch eine ganz andere Idee, die es mir leichter macht. Oder – ich lass es gar sein 😊

Der Weg ist das Ziel. Es geht nicht darum, ständig neue Ziele im Leben zu haben und diese zu erreichen. Sondern es geht darum, den Weg dahin zu genießen. Denn das Leben ist doch einfach zu kurz, nicht wahr! Wir sollten viel mehr dahinkommen, die Seele wieder baumeln lassen. Alles spielerischer zu sehen. Leichter. Um dann auch wieder mehr genießen zu können und uns daran zu erfreuen, was ist.

Soweit, so gut. Die Theorie habe ich verstanden. Ich bin gespannt, wie es sich in der Praxis leben wird. Aber hier kann ich ja mein Naturell nutzen: Ich habe etwas erkannt und werde es sofort umsetzen. Dann kann ja nichts mehr schiefgehen 😊